Selbständigkeit - oft unterschätzt
Heutzutage hat nicht mehr jeder einen festen und gesicherten Arbeitsplatz, viele sind sogar bereits arbeitslos. Daher stellt sich für viele sicherlich die Frage nach der Selbständigkeit. Eine Firma anmelden und sein eigener Chef sein. Tun und lassen was man will und vor allem auch wann man es will. So denken viele über die Selbständigkeit, dabei ist sie viel komplizierter und ein echt harter Weg um damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.
Wer einfach nur eine Firma anmelden und dann schon anfangen kann zu Arbeiten hat zumindest den Einstieg recht leicht, doch die meisten benötigen sicherlich eine Unterstützung von der Bank. Und genau hier ist es wie damals mit der Ich-AG, es werden deutlich mehr Unterlagen angefordert. Alleine schon der Businessplan ist für viele schweres Thema. Zugegeben, Statistiken und Prognosen für eine Firma zu erstellen für ein Gewerbe das es noch gar nicht gibt ist für einen Anfänger auch nicht leicht. Der markt muss analysiert werden nach möglichen Mitbewerbern. Auch muss begründet werden warum man überhaupt eine Chance für seine eigene Firma sieht und so weiter. Abends in der Runde mit Freunden mag das noch einfach funktionieren, aber als Präsentation für eine Behörde ist es um Länger schwerer.
Aber selbst diese bereits im Vorfeld erforderlichen Analysen schrecken viele nicht ab und sie gehen den Weg, denn die Verlockung Beruf, Hobby und auch seine Freizeit miteinander zu vereinen und vor allem selber zu bestimmen sind zu groß.
Doch die Selbstständigkeit hat auch nach der Anmeldung und Eröffnung einige verborgene Probleme die wenn man im Vorfeld nicht gründlich gearbeitet schnell auf das Gemüt schlagen können. Am Anfang steht nämlich die Suche der Neukunden. Hatte man zuvor einen festen Arbeitsplatz und war es gewohnt die Arbeiten einfach auszuführen muss man sich nun um Auftraggeber selber kümmern. Einfache Anzeigen in Zeitungen reichen da oft nicht aus und es fehlt an neuen Kunden. Sind diese jedoch mit der Zeit vorhanden und werden auch zusehnlich mehr kommen natürlich auch immer neue Fragen auf einen zu. Wie ist es mit der Krankenversicherung? Was ist mit der Rente und was will das Finanzamt eigentlich die ganze Zeit von mir.
Das sind Punkte die viele gleich am Anfang komplett außer Acht lassen oder unterschätzen, vor allen die, die keinen Businessplan erstellen müssen oder wollen. Die Krankenversicherung, in der Regel eine private Krankenversicherung muss abgeschlossen werden, egal ob man gewinn macht oder gar Verluste. Dabei vor allem auch zu beachten, dass man diese Versicherung dann komplett alleine Zahlt und sich diese nicht mit dem Arbeitgeber teilt. Auch eine Rentenversicherung sollte abgeschlossen werden, aber Angebote die meist zu finden sind verschlagen einen zu Sprache. Die Riester-Rente ist in aller Munde und wird empfohlen, ist für Selbständige aber nicht verfügbar, also bleibt nur eine Rürup-Rente übrig.
Und der ganze Steuerunsinn? Buchführung und Rechnungswesen? Auch das muss man nun alles selber machen oder an externe Firmen oder Steuerberater vergeben was gleich wieder mal einen guten Monatslohn Kosten kann.
Der wichtigste Faktor bei scheiternden Selbständigen ist aber dennoch die eigene persönliche Einstellung. Viele nehmen es zu leicht, nach dem Motto, das kann ich auch morgen machen. Der Wettbewerb ist sehr hart umkämpft und neue Kunden sind schnell auch wieder bei anderen Firmen. Schnell hat man ohne vernünftige Buchführung auch den Überblick über die Finanzen verloren und fällt in ein tiefes Loch wenn am Jahresende die Bescheide für die Einkommensteuer und Umsatzsteuer vom Finanzamt kommen. Sind diese Steuern dann nicht mehr als Guthaben vorhanden, sondern bereits wieder für den Unterhalt ausgegeben hat man ein echtes Problem. Die Bescheide müssen bezahlt werden, egal wie.
Aber auch die Arbeitszeit selber ist ein Problem. In einer normalen Firma gibt es feste Arbeitszeiten, die ein selbständiger in der Regel nicht hat wenn er sich selber keinen festen Plan vorlegt. Genau diese Freiheit ist der Pluspunkt der Selbständigen, sie können Nachts Arbeiten aber auch früh morgens. Pause machen und ins Schwimmbad gehen wann sie wollen, so lange sie dennoch ein vernünftiges Tagespensum erfüllen. Doch auch hier verlieren viele den Überblick und die Liste der zu erledigenden Arbeiten wird immer länger.
Also, eine Selbständigkeit kann durchaus sehr viele Vorteile bringen wenn man erst einmal den steinigen Weg überwunden hat, doch muss man dabei auch immer sehr konsequent und vor allem selbstkritisch sein. Wer sich da nicht 100% sicher ist dass er das auch schafft, der sollte sich lieber nach einem festen Arbeitsplatz als Angestellter, auch wenn auf Teilzeit, umsehen.