Die Geschichte von Ahab und Isebel
Mythen und Religionen sind Menschheitserbe. Die Veden, der Koran, Ilias und Odyssee – diese Texte gehören zum festen Inventar des menschlichen Denkens, ganz gleich welcher Religion oder welchem Kulturkreis man angehören mag. Auch für Atheisten und Buddhisten sind die Geschichten der Bibel aufschlussreich. Von den Paaren der Bibel erfahren wir viel über das Zusammenleben, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Mann und Frau, von Liebe und Hass, Partnersuche und Trennung, Treue und Promiskuität.
Maria und Josef kennt jeder, natürlich auch Adam und Eva. Es gibt aber zahllose weitere Paare, die nicht ganz so berühmt, deren Geschichten aber nicht minder spannend sind. Blickt man ins Alte Testament, so trifft man etwa Ahab und Isebel: Isebel, eine phönizische Prinzessin, ist eingebildet, machtgierig, intrigant und böse. Verheiratet ist sie mit dem israelischen König Ahab, der sein Land in zahlreichen Kriegen aufreibt. Isebel ist keine Jüdin, sondern glaubt an den Fruchtbarkeitsgott Baal, weshalb sie vom israelischen Volk als Götzendienerin stigmatisiert wird. Auch Ahab wird zunehmend unbeliebter, weil er für seine Frau im Volk den Baalskult fördert. So kommt er mit dem Propheten Elia über Kreuz, der für den Glauben an den einen Gott Israels kämpft. Die Religionen treten in einen öffentlichen Wettstreit. Elia strebt ein Gottesurteil an. Er versammelt Volk und Propheten auf dem Berg Karmel. Während Baal, von Elia verspottet, sich nicht zeigt, erscheint der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs im Feuer und erweist sich als der einzig wahre. Elia nutzt die Gunst der Stunde und bringt die Baalspropheten um. Um der Rache Isebels zu entgehen, flüchtet Elia. Isebel endet böse: Als sie vom Kommen Jehus, Oberst im Heer Ahabs und berüchtigt als wilder Wagenlenker, erfährt, schminkt und schmückt sie sich. Doch der ist mäßig beeindruckt, macht kurzen Prozess und lässt sie aus dem Präsentationsfenster des Palastes stürzen. Pferde zertrampeln sie. Als sie bestattet werden soll, finden sich lediglich Schädel, Füße und Hände. Womit sich die Weissagung Elias erfüllt, dass Hunde Isebels Fleisch fressen werden.
Die Bibel lässt an Ahab und Isebel kein gutes Haar: “Es war niemand, der sich so verkauft hätte, Unrecht zu tun vor dem Herrn wie Ahab, den seine Frau Isebel verführte. Und er versündigte sich dadurch über die Maßen, dass er den Götzen nachwandelte.”
Die mythischen und heiligen Bücher erzählen uns alles über den Menschen, über seine Tugenden und Laster, seine Freuden und sein Leid. Und sie sind voller Liebe, es gibt ja schließlich auch noch andere Paare, nicht nur Ahab und Isebel.










